eBook-Reader Test: Kobo Aura One

Kobo Aura One eBook ReaderDer Kobo Aura One ist seit September 2016 das neue Spitzenmodell von Kobo. Für EUR 229,- erhält man ein mit 7,8 Zoll sehr großes Display mit 300ppi Auflösung, 1 Zoll größer als beim Kobo Aura H2O.
Der Kobo Aura One ist IPX8 zertifiziert und kann theoretisch zwei Stunden unter Wasser getaucht werden, ohne das Schäden am Gerät entstehen.
Ein Slot für eine Micro-SD Karte fehlt, der Kobo Aura One bietet 8GB internen Speicher für eBooks.
Eine Besonderheit und zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Beitrags ein Alleinstellungsmerkmal unter allen eBook-Readern ist die Beleuchtung des Kobo Aura One. Durch zusätzliche rot leuchtende LEDs lässt sich der Anteil von blauem Licht an der Beleuchtung reduzieren. Das kennt man von Smartphone-Apps. Blaues Licht stört angeblich beim Einschlafen, der Rotlichtanteil soll dies reduzieren. Der Kobo Aura One hat einen Lichtsensor, der die Beleuchtung auf Wunsch automatisch an die Umgebung anpasst.

Größe, Gewicht, Fingerabdrücke und Verarbeitungsqualität

eBook-Reader im Größenvergleich, von 5 Zoll bis 7,8 Zoll
eBook-Reader im Größenvergleich: Kobo Mini (5 Zoll), Sony PRS-T1 (6 Zoll), Kobo H2O (6,8 Zoll) und Kobo Aura One (7,8 Zoll)
Spaltmaße des Kobo Aura One eBook-Readers
3 Blätter Papier in die Spalte zwischen Display und Gehäuse geschoben

Mit 230 Gramm ist der Kobo Aura One ein paar Gramm leichter als der Kobo Aura H2O. Das Gehäuse ist etwas breiter und länger als beim Kobo Aura H2O, aber nicht dramatisch.  Spürbar reduziert wurde die Dicke des Gehäuses. Die Rückseite besteht aus einer fein genoppten Oberfläche, auf der kaum Fingerfett zurück bleibt. Das bündig mit dem Gehäuse abschließende Display (wie bei Smartphones/Tablets) und dessen Rand sind nicht so empfindlich für Fingerabdrücke wie noch der Kobo Aura H2O, das hat sich deutlich verbessert.
Die Verarbeitungsqualität muss bei einem eBook-Reader für EUR 229,- über jeden Zweifel erhaben sein. Für einen Premium-Preis erwarte ich ein tadelloses Gerät. Spalten zwischen Display und Gehäuse sind bei meinem Kobo Aura One leider deutlich zu sehen. Schaut man genau hin, sieht man auch Kleber, der unter dem Gehäuse in die Spalten quillt. Es sieht so aus, als ob das Display mit der Technik ins Gehäuse geklebt wird, bei meinen Gerät treten die Spalten rechts und unten auf, die „Technikeinheit“ wurde also beim Einkleben in die obere rechte Ecke des Gehäuses geschoben.
Wie auf dem Foto zu sehen, kann ich problemlos drei Blätter Papier in die Spalte zwischen Gehäuse und Display stecken.

Das Wichtigste: Die Lesbarkeit auf dem Kobo Aura One

Texte werden scharf dargestellt, bei eingeschalteter Beleuchtung bleiben die Buchstaben schwarz und werden nicht grau – sehr schön. Durch die plane Oberfläche des Geräts wird die Illusion verstärkt, auf Papier zu lesen. Das um 1 Zoll größere Display sorgt für weniger Blättervorgänge. Die Beleuchtung ist gleichmäßig, nur an den Rändern sieht man bei schwach eingestellter Beleuchtung „schwarzen Nebel“ über dem Display liegen. Erhöht man die Beleuchtung auf 15%, ist davon nichts zu sehen. So etwas kenne ich vom Kobo Aura H2O nicht, störend ist das aber nicht. Das Seitenblättern kommt mir etwas schneller vor als beim Kobo Aura H2O, Ghostingeffekte konnte ich keine feststellen (page refresh alle sechs Seiten).
Sehr angenehm ist das Rotlich, vor allem, wenn man den Lichtsensor nutzt. So erhöht sich mit fortschreitender Uhrzeit der Rotlichtanteil. Schaltet man das Rotlicht aus und sieht die „normale“ Beleuchtung, ist der Unterschied gewaltig. Ob das wirklich für besseres Einschlafen sorgt, kann ich nicht sagen, angenehm für die Augen ist es jedenfalls. Bis ca. 40-50% Rotlichtanteil wirkt die Beleuchtung nicht rot, erst danach nehme ich einen rötliche Verfärbung wahr.

Bedienung des Kobo Aura One

Der Touch-Screen reagiert schnell, wenn ich auch das Gefühl habe, etwas stärker drücken zu müssen als beim Kobo Aura H2O. Wie bei allen Kobos, die ich bisher in den Fingern hatte, lassen sich Schriftgröße, Schriftarten, Seitenausrichtung, Zeilenhöhen und Randabstände einstellen und an die persönlichen Vorlieben gut anpassen.
Trotz größerem Display hat der Kobo Aura One ein geringeres Gewicht als der Kobo Aura H2O. Erkauft wird das durch einen Akku mit geringerer Kapazität. Die Akkuanzeige verringerte sich von 100% auf 79% nach der Lektüre von ca. 220 Seiten (WLAN und Lichtsensor abgeschaltet, Beleuchtung auf 10%).

Mein Fazit zum Kobo Aura One

Positiv finde ich die Beleuchtung (Rotlicht, Lichtsensor), da bietet der Kobo Aura One einen echten Mehrwert.
Negativ und in dieser Preisklasse nicht zu rechtfertigen finde ich die Spaltmaße zwischen Gehäuse und Display. Bei einem hochpreisigen Smartphone würde man das nicht akzeptieren, warum also bei einem hochpreisigen eBook-Reader?
Der Akku ist zu unterdimensioniert. Wenn 220 Seiten lesen 1/5 des Akkus leersaugen (ohne WLAN, ohne Lichtsensor, bei schwacher Beleuchtung), kann ich mir ausrechnen, dass ich den Kobo Aura One wesentlich öfter aufladen muss, als den Kobo Aura H2O. Welche Auswirkungen eine erhöhte Anzahl an Ladezyklen auf die Lebensdauer des nicht tauschbaren Akkus und damit auf den Kobo Aura One insgesamt hat, kann ich nicht einschätzen, aber ein schlechtes Gefühl bleibt.
Egal, wie ich das Gerät mit den Händen greife, der Rahmen schneidet mir in die Handflächen und ich verbiege meine Finger im Bemühen, dies zu vermeiden – letztendlich schmerzen meine Hände  vom Halten des Kobo Aura One. Das Gehäuse ist zu dünn. Hier sollte jeder vor dem Kauf ausprobieren, ob bequemes Halten des Geräts möglich ist.
Mein Wunsch an Kobo: Bessere Verarbeitung, ein stärkerer Akku und ein griffigeres Gehäuse – anders gesagt, die Beleuchtungstechnik des Aura One im Gehäuse des H2O mit der Rückseite des Aura One. Vorerst bleibe ich dem Kobo Aura H2O treu, der Kobo Aura One rechtfertigt für mich seinen Kaufpreis nicht.