eBook-Reader: Meine Eindrücke vom Tolino Vision

Tolino Vision eBook ReaderDer Tolino Vision ist der neue eBook-Reader von Thalia, Weltbild, Telekom und Hugendubel. Aktuell (Mai 2014) kostet der Tolino Vision EUR 129,-. Damit ist er EUR 30,- teurer als der weiterhin erhältliche Tolino Shine.
Ich spreche kurz die mir wichtigsten Merkmale eines eBook-Readers an, siehe auch Sony PRS-T3 gegen Kobo Aura. Die 25 GB Cloud-Speicherplatz für eBooks (warum sollte ich jemals 25 GB Speicherplatz für eBooks brauchen? – aber egal), der eBook-Kauf über einen der integrierten Shops und ähnliches spreche ich nicht an – ich möchte einfach den bestmöglichen eBook-Reader zum Lesen ohne großes rundherum haben.
Es gibt reichlich Tests des Tolino Vision, die sämtliche Möglichkeiten und Funktionen des Gerätes aufzählen, bitte bemühen Sie dazu die Suchmaschine Ihrer Wahl.

 

Tolino Vision – das Gerät an sich

Der Tolino Vision liegt gut in der Hand, macht einen hochwertig verarbeiteten Eindruck und mit seinem Gewicht von 178g kann man das Gerät bequem in einer Hand halten. Der Tolino Vision hat eine plane Oberfläche wie ein Tablet, dadurch entsteht der Eindruck, eine Papierseite vor sich zu haben. Blättertasten wie bei anderen eBook-Readern gibt es nicht, die Bedienung erfolgt über das eInk-Display, welches gleichzeitig ein Touchscreen ist. Der Tolino Vision reagiert sehr schnell auf Touch-Kommandos: Seiten umblättern (antippen oder wischen über den Touchscreen), Menüs aufrufen und ins Hauptmenü springen geschieht angenehm schnell. Ein (nicht von einer Schutzklappe verdeckter) Speicherkartenslot ermöglicht die Erweiterung des zum Speichern für eBooks zur Verfügung stehenden Speicherplatzes um bis zu 32 GB.

 

Lesbarkeit auf dem Tolino VisionTolino-Vision und Sony PRS-T3S nebeneinander

Der Tolino Vision verfügt, wie fast alle aktuellen eBook-Reader, über eine Beleuchtung und eine Displayauflösung von 1024×758 Pixel.
Leider entsteht beim Tolino Vision der gleiche Eindruck wie beim Kobo Aura: Die Buchstaben sehen leicht verschwommen aus. Dies mag nicht auffallen, wenn man keinen anderen eBook-Reader als Vergleich hat, im direkten Vergleich mit einem Sony PRS-T3S erscheint mir die Lesbarkeit der Buchstaben auf dem Sony besser. Dies liegt wohl an der „Lichtleiterfolie“, welche beim Tolino Vision das Licht der am unteren Ende des Displays angebrachten LEDs auf die gesamte Displayfläche verteilt.

Schaltet man die stufenlos regelbare Beleuchtung des Tolino Vision ein, entsteht, wie beim Kobo Aura, der „Litfasssäulen-Effekt“. Die Buchstaben sind nicht mehr schwarz, sondern sehen aus, als ob sie auf einer Plastikfläche, die von hinten beleuchtet ist, gedruckt sind. Die Ausleuchtung an sich ist ungleichmäßig, wenn auch besser als beim Kobo Aura. Nutzt man die Beleuchtung des Tolino Vision Nachts, bzw. bei reduzierem Lichteinfall, erscheinen die Buchstaben zusätzlich von einem Grauschleier umgeben.

Die Tolino-Allianz wirbt mit dem eInk-Display der neuen Carta-Generation. Was nutzt aber die neueste Bildschirmtechnik, wenn deren Vorteile durch die Beleuchtung negiert wird? Das angeblich dank Carta nicht mehr auftretende Ghosting (Seiteninhalte vorheriger Seiten sind am Display leicht sichtbar), konnte ich zumindest bei wieder ausgeblendeten Menüs feststellen, deren Artefakte zeichnen sich sichtbar am Display ab.

 

Bedienung des Tolino Vision

Tolino Vision HauptmenüDie kurzen Reaktionszeiten des Geräts auf Nutzereingaben und ein logisch strukturiertes Menü sorgen für angenehmes „Arbeiten“ mit dem Tolino Vision. Wie bei jedem aktuellen eBook-Reader kann man Schriftgröße, Schriftarten, Seitenausrichtung, Zeilenhöhen und Randabstände einstellen, so dass man die teilweise grausig von den Verlagen formatierten eBooks an seine Vorlieben anpassen kann.

Der Tolino Vision verfügt über mehrere Wörterbücher, die man zur Übersetzung fremdsprachiger Wörter zur Hilfe nehmen kann. Ich habe die Englisch-Deutsch Übersetzung ausprobiert – im Vergleich zum Sony PRS-T3S fällt das Wörterbuch des Tolino Vision geringer aus. Von 20 zu übersetzenden Wörtern fand der Tolino Vision 16 Mal die deutsche Übersetzung, während der Sony PRS-T3S alle 20 Wörter übersetzen konnte. Die Bedienung der Übersetzungsfunktion könnte noch ein wenig vereinfacht werden – man muss das zu übersetzende Wort markieren und dann noch einmal auf „Übersetzen“ drücken. Warum reicht die Markierung des zu übersetzenden Wortes nicht aus? Es könnte immer die Übersetzung eingeblendet werden, selbst wenn man eine der anderen Optionen, die nach der Markierung eines Wortes erscheinen, anwählen möchte, stören würde die Übersetzung dabei nicht.

Angenehm ist, dass der Tolino Vision, anders als die eBook-Reader von Kobo, keine Zwangsregistrierung für einen eBook-Shop kennen. Sobald der Tolino Vision im WLAN angemeldet ist erscheint zwar im unteren Drittel der Startseite ein Bereich mit Link zu Thalia.de (wohl abhängig davon, wo man den Tolino Vision gekauft hat), dies ist aber (noch) nicht mit einem Benutzerkonto im eBook-Shop verknüpft. Wie bei allen eBook-Readern, die auf das ePub-ebook-Format setzen, üblich, ist man unabhängig von einem bestimmten Shop – man kann seine eBooks kaufen, wo man möchte und auf den Tolino Vision übertragen.

 

Mein Fazit zum Tolino Vision

Ich möchte den Tolino Vision mögen. Verarbeitung, Optik, Funktionen und Bedienkonzept stellen mich vollauf zufrieden. Die unselige Beleuchtung und die damit einhergehende „Litfass-/Grauschleier-Darstellung“ der Schrift sind für mich aber ein rotes Tuch. Ich möchte eine möglichst papiernahe Darstellung von einem eBook-Reader geboten bekommen. Gedruckte Buchstaben sind nun mal scharf und schwarz – beides liefert der Tolino Vision nicht. Er hat damit die selben Probleme wie der Kobo Aura und wie wahrscheinlich sämtliche aktuellen eBook-Reader mit Beleuchtung, die auf derselben Technik basieren. Mein Tolino Vision geht zurück zum Absender und ich bin weiter glücklich mit meinem Sony PRS-T3S. Habe ich halt keine Beleuchtung, dafür aber ein scharfes Schriftbild, das ist mir wichtiger.